Magistrale

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Die Magistrale ist die urbane Hauptstraße einer sozialistischen Innenstadt und trägt zumeist den Charakter einer Marschier- und Flaniermeile. Die Leninallee, heute Lindenallee, ist die Magistrale von Eisenhüttenstadt. Ihre Sichtachse verläuft direkt auf den Hochofen zu und verbindet architektonisch das Zentrum (Zentraler Platz) mit dem Werk an dessen Peripherie.

Das Hotel Lunik und das Kaufhaus Magnet bilden durch die Suggestion einer Torsituation den baulichen Anfang bzw. Abschluss der Magistrale nach Süden hin und sollten mit der künftigen repräsentativen Architektur des Zentralen Platzes korrespondieren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In der Planung Kurt W. Leuchts war die Magistrale als Korridorstraße mit herausgehobener Gestaltung der Straßenecken gedacht.Ihre jetzige Positionierung, die eine Sichtachse zwischen dem Zentralen Platz (bzw. dem auf diesem geplanten Kulturhaus) und dem Werkseingang erzeugt, entspricht dem ursprünglichen Planungsentwurfs.

Einen Wettbewerb "Magistrale und Zentraler Platz" für Stalinstadt gab es im August 1953. Als Vorgabe galt, dass Magistrale und Zentraler Platz die bisher gebauten Teile der Stadt räumlich verknüpft und Stalinstadt insgesamt einen "städtischen Charakter" verleiht. Auch die bauliche Begrenzung der Stadt zum Werk sollte in dem Entwurf "klar" und "repräsentativ" zum Ausdruck kommen. Aufgaben der Magistrale waren: Hauptachse der Stadt, Demonstrationsstraße, Hauptgeschäftsstraße.

Aus diesem ging der Entwurf der Planungsgruppe Berlin Walter Franek als Sieger hervor. Die Gruppe führte die Magistrale über den Zentralen Platz, der sich trapezförmig ausweitet. In der Achse der Magistrale und daher in der Mitte des Zentralen Platzes war das Kulturhaus geplant.

Die Pläne für die Magistrale wurden Ende der fünfziger Jahre vom stellvertretenden Chefarchitekten Herbert Härtel und dessen Kollektiv erarbeitet. Bereits 1977 wurde die Leninallee zum "Denkmal von überregionaler bzw. nationaler Bedeutung" erklärt. Bis 1989 fanden in der Leninallee die Kundgebungen zum 1. Mai statt. Die Tribüne wurde jeweils vor dem Friedrich-Wolf-Theater errichtet.

Bauliche Struktur

Die ca. 600 Meter lange und 55 Meter breite Magistrale wird an der dem Zentralen Platz zugewandten Seite durch die Gebäude des Hotel Lunik und des Kaufhaus Magnet eröffnet. Die Ostseite der Magistrale ist als "Promenade" mit überbreiten Trottoirs angelegt. Im südlichen Teil war und ist sie durch ein Springbrunnengestaltung aufgelockert, im mittleren Teil standen gläserne Schaukästen. Der nördliche Teil der Magistrale war dagegen als eine die Breite der Promenade aufgreifende Grünanlage umgesetzt. Drei Punkthochhäuser mit Läden im Erdgeschoß gliedern die Magistrale. Weitere Geschäfte wurden in der Wohnbebauung sowie in zweigeschossigen Pavillonbauten untergebracht. Auffällig ist der Pavillon mit dem ausgekragenden Dach, der in Höhe der Einmündung der Georgi-Dimitroff-Straße als eine Art visueller Ankerpunkt fungiert und als Schauraum (Autosalon) für Kraftfahrzeuge diente. Aktuell wird er als Backwarenverkaufsstelle genutzt. Ein weiterer markanter Punkt in der Magistrale ist das Möbelkaufhaus. Der Flanier- und Verkaufsbereich endete ursprünglich in Höhe des mittleren Wohnhochhauses bzw. an der Einmündung der Rosa-Luxemburg-Straße. In den 1990er Jahren wurde nördlich der Einmündung auf einer der Wohnbebauung vorgelagerten Rasenfläche eine weitere Ladenzeile errichtet.

Kunst in der Lindenallee

In der Lindenallee wurden einerseits vor 1989 und andererseits im Rahmen des Metallurgie-Plenair 2000 eine Reihe von Kunstobjekten aufgestellt. Dazu zählen Heinz Beberniß' Kraniche sowie die Kugel Herbert Burschiks.

ursprüngliche Belegung

In der Abfolge - der Zentraler Platz im Rücken - von vorne links die Straße entlang und wieder zurück nach vorne rechts: Belegung, Eröffnung, Hausnummer:

  • Hotel Lunik
  • Nachtbar
  • Berlinkosmetik, 1963, 1
  • Hut und Putz, 1962, 3/5
  • Süßwaren, 1962, 7
  • Volksbuchhandlung, 1962, 9
  • Probierstube, 1962, 11
  • HOG "Husch" (später Broilergaststätte), 1962, 11
  • Magistralapotheke, 1962, 13
  • IFA-Fahrzeugladen mit Autosalon, 1961, 15/17
  • PGH Frisör, 1962, 19
  • Sportartikel (SpoWa), 1961, 21
  • Friedrich-Wolf-Theater, 1955, 23
  • Kunstgewerbe, 1961, 25
  • Stadtbibliothek, 1961, 25
  • Gaststätte, 1961, 27
  • Milchbar, 1961, 29
  • Foto Optik, 1960, 36
  • Rundfunkfachgeschäft, 1960, 34
  • Haushaltswaren, 1960, 32
  • Glas und Porzellan, 1960, 30
  • Lederwaren, 1960, 28
  • Schuhe, 1960, 26
  • Möbelkaufhaus, 1960, 24
  • Kaufhalle "Fix", 1960, 22
  • Geflügelverkaufsstelle, 1960, 22
  • PGH Foto, 1960, 20
  • Reisebüro, 1960, 18
  • Zoohandlung, 1960, 16
  • Spielwaren, 1960, 14
  • Philatelie, 1960, 12
  • Schreibwaren, 1960, 10
  • Musikladen (später Damen Exquisit), 1960, 6/8
  • HO Uhren und Schmuck, 1960, 4
  • PGH Uhren, 1960, 2a
  • HO Textilkaufhaus "Magnet", 1960, 2

(Quelle: Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hg.): Eisenhüttenstadt "Erste sozialistische Stadt Deutschlands". Berlin: 1999, S. 183)

Sonstiges

In den warmen Monaten des Jahres nutzen die Jugendlichen Eisenhüttenstadts nicht selten als Aufenthaltsort und - was ungewöhnlich für Stadtzentren sein dürfte - zum freien Grillen. Dies stellt eine bemerkenswerte Inanspruchnahme des öffentlichen Stadtraumes dar, zeugt allerdings nicht zwingend von einem ausgeprägten Gemeinsinn.

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